Paleo-Ernährung: Was ist das eigentlich? (Teil 2 von 2)

Dies ist der zweite Teil des Gastartikels von Constantin Gonzalez, www.paleosophie.de

Die Biochemie zeigt: Das macht uns heute krank!

Zusammen mit Biochemikern und Medizinern haben Ernährungs-Forscher die sogenannten „neolithischen“, also neuzeitlichen Nahrungsmittel unter die Lupe genommen und in den letzten paar Jahrzehnten herausgefunden, was genau an moderner Zivilisations-Kost krank macht:

– Weizen und andere Getreide enthalten eine Reihe von aktiven Eiweiß-Stoffen, die diese Pflanzen über Jahrmillionen hinweg zur Abwehr von Fressfeinden (das sind wir) entwickelt haben: Gluten, „Wheat-Germ-Agglutinin“ (WGA) und Lektine machen die Schleimhaut im Darm von Säugetieren (das sind auch wir) systematisch durchlässig für körperfremde Stoffe. Das führt zu Entzündungen, Überlastung des Immunsystems und zu zahlreichen Erkrankungen, die auf eine Verwirrung des Immunsystems zurückzuführen sind: Denn Gluten heftet sich gerne an körpereigene Eiweiße, die dann vom Immunsystem fälschlich als „Feind“ eingestuft werden. Hierzu gehören die meisten Schilddrüsen-Leiden, Entzündungen an Gelenken (Arthrose), sowie fast alle weiteren Auto-Immunerkrankungen.

– Zusätzlich enthalten Getreide einen Stoff namens Phytinsäure, die die Pflanze für die Speicherung von Mineralstoffen benutzt. Das funktioniert so gut, dass der menschliche Körper selbst nicht mehr in der Lage ist, Mineralien aus Nahrung zu gewinnen, die Phytinsäure enthält. Das erklärt, warum z. B. die USA das Land mit der größten Pro-Kopf-Versorgung an Kalzium sind, und gleichzeitig auch das Land mit der größten Häufigkeit an Osteoporose.

– Auch Hülsenfrüchte enthalten Lektine, die für den menschlichen Körper problematisch sind, Entzündungen im Körper fördern und das Immunsystem belasten.

– Das Verhältnis von Makro-Nährstoffen zueinander, also Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, war in der Steinzeit besser auf die Biologie des Menschen angepasst: Der Steinzeit-Mensch aß eine Low-Carb-Kost und die ist ihm gut bekommen, denn der menschliche Körper ist für die effiziente Verbrennung von Fett konstruiert. Ein Übermaß an Kohlenhydrate führt dagegen zu mehr Körperfett: Wer mehr als 150g Kohlenhydrate am Tag mit der Nahrung aufnimmt und diese nicht sofort verbrennt, der baut daraus Fett-Depots. Statistisch gesehen nimmt der Zivilisations-Mensch daher dank Pasta, Brot, Zucker und Weißmehl-Produkten jährlich ein ganzes Pfund zu. War man als Student noch fit, so kämpft man Mitte dreißig zunehmend gegen seinen „Bierbauch“ und weiß nicht so recht warum.

Die Paleo-Ernährung ist eine Fitness-Ernährung

Zurück zum Thema Fitness: Die Steinzeit-Ernährung und unser Freund Grok haben sich über Millionen von Jahren optimal aufeinander angepasst und daher waren unsere Steinzeit-Vorfahren schlank, stark und fit, sonst hätten sie nicht regelmäßig über Stunden ihre Beute jagen und danach das große Gewicht ihres Fangs nach Hause tragen können. Mit der Zeit haben sich dadurch typische metabolische Muster eingespielt, auf die der Mensch auch heute noch geeicht ist:

– Durch mehr Fett und weniger Kohlenhydrate in der Nahrung wird der Körper auf Fett-Verbrennung umgeschaltet. Das bedeutet für Sie ein gleichbleibendes Energie-Niveau über den ganzen Tag, ohne Mittags-Tief und ohne Stress bei ausgelassenen Mahlzeiten. Das hat unserem Steinzeit-Kollegen gut getan, der schließlich tagelang weite Strecken laufen musste, ohne auf Energieriegel und Carbo-Loading zurückgreifen zu können.

– Grok hat längere Zeit fasten müssen, als er auf die nächste Jagd wartete. Dabei hat sein Körper die Zeit genutzt und ausgemistet: Eiweiß-Abfälle aus Krankheiten, sowie beschädigte Zellen werden während Fasten-Perioden abgebaut und recycled, darunter auch Bakterien, Viren und angehende Krebszellen. Heute können Sie sich genauso durch kurze Fasten-Perioden von 18-24 Stunden diesen Reinigungs-Effekt zunutze machen.

– Während der Jagd ist der Urmensch lange Strecken gelaufen und hat dabei optimal Fett verbrannt, indem er eine effiziente Lauftechnik anwendete und dabei seinen Puls im aeroben Bereich hielt. Heute gewinnt das Barfuß-Laufen und das Laufen mit minimaler Besohlung weltweit immer mehr Anhänger, die dadurch ihre Lauf-Leistung dramatisch verbessern können.

– Zwischendurch gab es für unseren Steinzeit-Kumpel große, fast übermenschliche Kraftanstrengungen: Schnelle Sprints, der Beute hinterher, wilde Zweikämpfe Mensch gegen Tier und zum Schluss das triumphale Wuchten der schweren Beute. Heute spricht sich unter Bodybuildern herum, dass wenige, kurze „High-Intensity-Interval-Training“-Einheiten pro Woche mehr bringen als endlose Arbeit im Fitness-Studio.

– Und nach der Jagd hat der Steinzeit-Mensch natürlich gefeiert! Dabei hat er sich bei Grillparties zuerst auf die fetten Stücke, Innereien und dank spitzer Steine und Keile auch auf Knochenmark und Hirn gestürzt. Heute weiß man, dass Fett, Innereien und Knochenmark wertvolle Vitamine, Mineralien und vor allem Omega-3-Fettsäuren enthalten, ein wesentlicher Baustein für den optimalen Aufbau von Hirn und Muskeln.

– Auch die Ruhe kam in der Steinzeit nicht zu kurz. Nach intensivem Jagd-Stress hat der Steinzeit-Mensch sich ausgeruht, um wieder zu Kräften zu kommen und seine Muskeln zu regenerieren.

Paleo als Lifestyle

Sie merken schon: Es geht bei der Paleo-Ernährung um mehr als um das bloße Weglassen von Getreide-Produkten, Milch und Hülsenfrüchten. Je mehr wir über die Zusammenhänge zwischen Steinzeit-Leben, Ernährung, Biochemie und Metabolismus aus aktueller Forschung erfahren, umso mehr wird klar, welche Rolle (Barfuß-)Laufen, Sprinten, Kraft-Training, Fasten, Fett, Eiweiß und andere Nährstoffe in der menschlichen Biologie spielen.

Die Paleo-Challenge: 30 Tage essen wie in der Steinzeit!

Doch jetzt sind Sie dran: Ist die Paleo-Ernährung bloß eine Marotte von einigen Steinzeit-Freaks oder steckt da vielleicht auch für Sie ein Vorteil dahinter? Probieren Sie es einfach aus! Am besten 30 Tage lang, denn so lange braucht Ihr Körper, um sich von den negativen Effekten moderner Zivilisations-Ernährung zu befreien, Ihren Darm wieder immun gegen Fremdkörper zu machen und Ihren Metabolismus optimal auf Hochtouren zu bringen. Auch sind 30 Tage ein guter Zeitraum, um eine neue Gewohnheit zu lernen, bis Ihnen dann die Auswahl der für Sie optimalen Nahrungsmittel automatisch von der Hand geht. Also:

– Reichlich Fleisch, Fisch, Geflügel und Eier essen (möglichst in Bio-Qualität von sich frei bewegenden Tieren),

– dazu viel grünes und buntes Gemüse, Wurzeln und ein paar Knollen,

– garniert mit ein paar Früchten, Beeren und Nüssen.

Das ist das Steinzeit-Rezept und im Internet finden Sie zahlreiche Ideen und Rezepte, die Ihnen die tägliche Auswahl Ihrer Mahlzeiten erleichtern werden. Haben Sie dabei keine Angst vor Fett, denn tierisches Fett enthält wertvolle Vitamine und kann optimal von Ihrem Körper verbrannt werden, ohne anzusetzen.

Sie dürfen dabei auch ein paar Ausnahmen machen, falls Ihnen die Umstellung auf die Paleo-Ernährung schwer fällt:

– Butter ist bei Paleo-Anhängern eines der beliebtesten Fette, auch wenn es ein Milchprodukt ist. Passt super zu Rührei oder zum Steak oder auf gedünstetem Gemüse!

– Legen Sie am Wochenende ruhig mal einen „normalen“ Tag ein. Sie werden schnell merken, wie Ihr Körper Ihnen sagt, was gut für ihn ist und was nicht: Irgendwann werden Sie ihre Ausnahme-Tage gar nicht mehr durchziehen wollen.

– Schokolade mit 70% oder mehr Kakao-Anteil hilft, Ihren Nasch-Trieb unter Kontrolle zu halten. Solche Schokolade ist sogar gesund! Auch ein wenig Rotwein zum Essen ist erlaubt, Bier jedoch lieber nicht, denn das ist sozusagen flüssiges Getreide…

Und vergessen Sie nicht, ein paar Fotos vorher und nachher zu machen, am besten in Badekleidung. Sie werden sich wundern!

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