„Eigentlich ernähre ich mich gut.“ – ein weit verbreiteter Irrglaube

Diesen Satz, gerne auch in der Variante „Eigentlich ernähre ich mich ja gesund.“ verwendet, höre ich wieder und wieder von Menschen, mit denen ich im Gespräch irgendwann auf das Thema Ernährung komme oder die bei mir ein Training beginnen möchten.

Da ich seit 10 Jahren Ernährungsprotokolle lese, weiß ich, dass ich den anschließenden mündlichen Bericht über die Ernährungsgewohnheiten meist nicht ernst nehmen kann. Mein Fazit: Ein Großteil der Menschen, mit denen ich mich über Ernährung unterhalte, ist sich überhaupt nicht bewusst, was sie alles zu sich nehmen, weder quantitativ, noch qualitativ.

Hier hilft nur eins: eine ehrliche Bestandsaufnahme in Form eines Ernährungsprotokolls, das wenigstens eine Woche lang geführt wird.

Vielen geht dadurch bereits ein kleines Licht auf, wenn sie tatsächlich alles aufschreiben, was sie tagsüber zu sich nehmen und es am Ende des Tages vor sich stehen haben. Da kommen Dinge ans Licht, die gar nicht ins eigene Bewusstsein dringen, wahrscheinlich weil sie entweder aus Gewohnheit gegessen oder getrunken werden, so dass sie zur Selbstverständlichkeit geworden sind oder sie sind so schnell runtergeschluckt, dass kein Gedanke mehr daran verschwendet wird.

Plötzlich lese ich dann Dinge wie Schokolade, Schokoriegel, Bonbon, Weingummi, Chips, Vanillesauce, Eis, Kuchen, Milchschnitte, Fruchtjoghurt, Limonade, Sekt, Pizza, Döner, Baguette, Fertigessen, Lieferservice, usw.

Eine Klientin hatte sich z. B. mal gewundert, dass sie nicht abnimmt, obwohl sie Sport treibt und sich laut eigener Aussage gesund ernähren würde. Dann habe ich mir aufzählen lassen, was sie so isst und trinkt und konnte daran nichts Auffälliges feststellen (wie so häufig, wenn mir Menschen von ihrer Ernährung erzählen). Daraufhin habe ich mir ein Ernährungsprotokoll ausfüllen lassen. Und siehe da, der guten Frau war nicht bewusst, dass sie an fünf (!) Tagen in der Woche mittags eine Pizza isst… Das hatte sie nie erwähnt.

Die meisten Ernährungsprotokolle, die ich lese, weisen folgende Gemeinsamkeiten auf: viel zu wenig Wasser, zu viel Kaffee, viel zu viel Zucker (z. B. in Süßigkeiten, Milchprodukten und Getränken), viel zu wenig Obst und Gemüse, zu wenig Eiweiß, viel zu viele Kohlenhydrate.

Nicht selten essen einige sogar insgesamt zu wenig, nehmen aber dennoch viel zu viele Kalorien auf (z. B. durch Süßigkeiten und Alkohol), was gesundheitlich besonders gefährlich ist.

Daher meine Empfehlung für alle, die Fett reduzieren oder sich gesünder ernähren wollen: schreiben sie alles auf, was Sie essen und trinken.

Wahrscheinlich werden Sie sich wundern. Sollte Ihnen das zu aufwendig sein, muss ich Ihnen sagen, dass sowohl Studien als auch die Praxiserfahrung immer wieder zeigen, dass diejenigen, die Ihre Ernährung aufschreiben, deutlich mehr Erfolg haben als die, die es nicht tun.

Als Minimallösung können Sie auch täglich immer dann einen Strich auf einen Zettel machen, wenn Sie etwas essen (jedes Stück Schokolade, jeder Keks, jede Handvoll Chips, …). Da kommt häufig ganz schön was zusammen.

Wenn Sie mindestens vier bis sechs Wochen lang Ihre Ernährung aufgeschrieben haben, werden Sie sich viel bewusster ernähren und könnten das Aufschreiben wieder reduzieren. Sobald das Körpergewicht jedoch wieder steigt oder weitere Erfolge ausbleiben, ist wieder aufschreiben angesagt.

„Was, Du isst Schokolade/Weingummi/Lakritz/Süßes/Pizza/Pommes/Eis?“ werde ich manchmal gefragt. Ja, ich bin auch nur ein Mensch und gönne mir wöchentlich auch mal sogananntes „Teufelszeug“. Aber nicht jeden Tag. Das kann ein Tag sein, an dem ich z. B. mittags und abends Dinge esse, die sonst nicht auf meinen Speiseplan gehören, wenn ich z. B. mal eingeladen bin. Oder ich bestelle mir mal an einem Abend eine Pizza. Oder ich esse auch mal an einem Nachmittag etwas Süßes, aber nicht jeden Tag, sondern eher selten.

Und wenn ich ein bestimmtes Trainingsziel habe, dann reduziere ich selbst das auf maximal einen Tag in der Woche. Dann schlage ich mir aber auch nicht den Bauch voll und versuche irgendetwas aufzuholen, sondern genieße bewusst und in Maßen.

So gelingt es mir, das ganze Jahr hindurch meinen Körperfettanteil im einstelligen Bereich zu halten.

Ich liebe Süßigkeiten, aber ich habe drei Tricks, die mir bestens helfen, diesen zu widerstehen:

1. Ich gehe nie hungrig einkaufen. Wer das tut, hat häufig verloren, wie ein Blick in den Einkaufswagen zeigt, wenn man an der Kasse steht.

2. Was nicht im Haus ist, kann auch nicht gegessen werden. Räumen Sie also Ihre Schublade mit den Süßigkeiten, Knabbereien und anderem Teufelszeug leer und verschenken Sie alles an Ihre Nachbarn oder Kollegen. Die werden es begeistert annehmen. In den sehr seltenen Fällen, in denen ich z. B. Süßes im Haus habe, komme ich leider auch kaum umhin, dieses zu essen. Deshalb gibt es bei mir keine Leckereienschublade.

3. Sollte ich mal Appetit auf Süßes bekommen, dann esse ich ein großes Stück Obst. Meistens hat sich die Sache dann erledigt.

Probieren Sie es mal aus, sowohl das Aufschreiben als auch die drei Tricks. Viel Spaß und Erfolg dabei!

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